Anschreiben 2026: Pflicht, Kür oder überholt?
Wann ein Anschreiben noch verlangt wird, was KI an seinem Wert verändert hat und wie ein kurzes, belegtes Anschreiben 2026 aussieht.
Das Anschreiben ist 2026 weder abgeschafft noch überall Pflicht. Ob du eins brauchst, entscheidet die einzelne Stellenanzeige oder das Bewerbungsformular. Die Bundesagentur für Arbeit zählt es weiter zu fast jeder Bewerbung, weist aber darauf hin, dass manche Unternehmen bei Online-Bewerbungen darauf verzichten. Seit viele Bewerberinnen und Bewerber ihre Anschreiben mit KI schreiben, sagen sie weniger über die Person aus. Wenn du eins schreibst, sollte es deshalb kurz sein und etwas enthalten, das nicht schon im Lebenslauf steht.
Ist das Anschreiben noch Pflicht?
Eine allgemeine Pflicht gibt es nicht, es ist eine Erwartung des jeweiligen Arbeitgebers. Welche Unterlagen verlangt werden, legt jedes Unternehmen selbst fest. Die verlässlichste Auskunft steht deshalb in der Anzeige und im Formular.
Die Bundesagentur für Arbeit schreibt auf ihrem Portal meinBERUF, das Anschreiben gehöre in fast jede Bewerbung und könne über Zu- oder Absage entscheiden. Sie rät aber auch, vorher zu prüfen, ob ein Anschreiben überhaupt gewünscht ist.
Daraus ergibt sich eine einfache Regel:
- Wird ein Anschreiben verlangt, schick eins.
- Ist das Feld als optional markiert, lohnt es sich, wenn du etwas zu sagen hast, das der Lebenslauf nicht zeigt.
- Steht ausdrücklich da, dass kein Anschreiben nötig ist, lass es weg.
Was sagen Zahlen über das Anschreiben?
Weniger, als oft behauptet wird. Die bekanntesten Zahlen stammen aus Befragungen von Unternehmen, die selbst im Recruiting-Geschäft sind.
Der Softwareanbieter softgarden hat 2023 für seine Studie „Candidate Journey“ 3.811 Bewerbende befragt. 53 Prozent gaben an, sie würden sich eher bewerben, wenn auf das Anschreiben verzichtet würde. Die Agentur für Personalmarketing Königsteiner hat im Mai 2023 1.026 Beschäftigte befragt, die sich im Jahr davor beworben hatten. Rund ein Drittel würde sich laut Auswertung nicht bewerben, wenn ein Anschreiben verlangt wird.
Beide Befragungen zeigen die Sicht von Bewerbenden, nicht, wie Arbeitgeber Anschreiben tatsächlich lesen und gewichten. Beide Anbieter verdienen an schlankeren Bewerbungsverfahren. Eine repräsentative Erhebung unter Arbeitgebern dazu haben wir nicht gefunden.
Belastbar ist eine andere Zahl. Laut der IAB-Stellenerhebung kamen 2025 im Schnitt 16 Bewerbungen auf eine Neueinstellung, 2022 waren es 9. Wer mehr Unterlagen sichten muss, hat für jedes einzelne Anschreiben weniger Zeit.
Was hat KI am Anschreiben verändert?
Ein Anschreiben zu formulieren kostet mit KI kaum noch Mühe. softgarden fragte im September 2023 2.674 Bewerbende, 19 Prozent nutzten da schon KI für ihr Anschreiben.
Was das für Arbeitgeber bedeutet, haben Anaïs Galdin (Dartmouth) und Jesse Silbert (Princeton) auf der Plattform Freelancer.com untersucht. Bevor die Plattform im April 2023 ein eigenes KI-Schreibwerkzeug einführte, zahlten Auftraggeber mehr für Bewerbungen mit individuell geschriebenem Text, weil dieser Text verriet, wer die Arbeit gut erledigen würde. Danach verlor der Text diese Aussagekraft weitgehend. In einer Modellrechnung der Autoren wurden die fähigsten Bewerber um 19 Prozent seltener beauftragt, die schwächsten um 14 Prozent häufiger.
Die Studie ist ein Arbeitspapier, noch nicht begutachtet, und betrifft kurze Aufträge auf einer Freelancer-Plattform, keine Festanstellungen in Deutschland. Die Richtung ist trotzdem plausibel. Wenn jeder einen flüssigen Text einreichen kann, unterscheidet flüssiger Text niemanden mehr. Die Bundesagentur rät deshalb, das Anschreiben selbst zu schreiben und einen KI-Vorschlag höchstens als ersten Entwurf zu nutzen, denn „Die KI kennt dich nicht“.
Wann lohnt sich ein Anschreiben trotzdem?
Immer dann, wenn der Lebenslauf eine Frage aufwirft, die nur du beantworten kannst.
- Initiativbewerbung, weil es keine Anzeige gibt, auf die sich der Lebenslauf beziehen kann.
- Quereinstieg oder Branchenwechsel, weil du erklären musst, was deine bisherige Erfahrung mit der neuen Stelle zu tun hat.
- Lücke oder Umweg im Lebenslauf. Was dazu in Studien steht, findest du im Artikel Lücke im Lebenslauf.
- Umzug oder ein besonderer Bezug zum Arbeitgeber, etwa ein früheres Praktikum.
- Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz, auf die sich die Hinweise der Bundesagentur auf meinBERUF vor allem beziehen.
Wie sieht ein gutes Anschreiben 2026 aus?
Kurz und belegt. Die Bundesagentur gibt für meinBERUF eine Gliederung mit Zeilenangaben vor: Kontaktdaten, Ort und Datum, Betreff mit Stellenbezeichnung und Kennziffer, Anrede mit Namen, ein Einstieg von etwa drei bis fünf Zeilen, ein Hauptteil von rund acht Zeilen, etwa zwei Zeilen zum Bezug zwischen dir und der Stelle, die Bitte um ein Gespräch und die Grußformel. Zusammen ergibt das deutlich weniger als eine Seite Fließtext.
Für den Inhalt helfen drei Fragen.
- Welche zwei Anforderungen der Anzeige erfüllst du am deutlichsten, und wo ist der Beleg? Nenn ein Projekt, ein Ergebnis oder eine Verantwortung, nicht ein Adjektiv.
- Warum dieser Arbeitgeber? Ein Satz, der nur auf dieses Unternehmen passt, wiegt mehr als drei allgemeine.
- Was muss der Arbeitgeber praktisch wissen? Eintrittstermin, Gehaltsvorstellung, wenn danach gefragt ist, und Umzugsbereitschaft gehören ans Ende.
Wiederhole nicht den Lebenslauf in ganzen Sätzen. Wenn du KI nutzt, dann als Lektor für deinen eigenen Entwurf, mit festen Fakten. Wie das geht, ohne dass etwas erfunden wird, steht im Artikel Lebenslauf mit KI schreiben, ohne dass etwas erfunden wird. Was du zur Gehaltsvorstellung wissen solltest, steht im Artikel Gehalt in der Stellenanzeige.
Und wenn kein Anschreiben verlangt ist?
Dann übernimmt der Lebenslauf dessen Aufgabe. Ein kurzes Profil oben, zwei bis vier Zeilen, sagt, wer du beruflich bist und was du suchst. Viele Formulare haben außerdem ein Freitextfeld für eine Nachricht. Drei Sätze dort, warum du dich für genau diese Stelle bewirbst, ersetzen in vielen Fällen eine ganze Seite.
So geht es mit dem CV-Tool
Im CV-Tool schreibst du Anschreiben und Lebenslauf im selben Werkzeug, mit derselben Schrift und Gestaltung. Empfänger, Betreff, Anrede, die Absätze und die Grußformel sind eigene Felder, die du je Bewerbung anpassen kannst, ohne den Rest neu zu setzen.
Unter „Prüfen“ liest du das Anschreiben so, wie ein Portal es aus dem PDF bekommt. Die Prüfung meldet unter anderem einen fehlenden Betreff, ein veraltetes Datum, eine allgemeine Anrede, obwohl in der Anzeige eine Ansprechperson steht, vergessene Platzhalter und Text, der nicht mehr auf die Seite passt. Fügst du die Stellenanzeige ein, siehst du, ob Stellentitel und Firma im Anschreiben vorkommen. Unter „Beides“ prüfst du Lebenslauf und Anschreiben zusammen auf denselben Namen, dieselbe E-Mail-Adresse und dieselbe Sprache. Eine Punktzahl gibt es absichtlich nicht.
Wenn du mit einer KI arbeiten willst, gibst du deine Daten als Markdown an ein Modell deiner Wahl und holst den überarbeiteten Text zurück. Anschreiben und seine Prüfung gehören zum Bewerbungs-Pass, Lebenslauf und PDF bleiben kostenlos. Ausprobieren geht ohne Konto: zum CV-Tool.
Häufige Fragen
Soll ich ein Anschreiben schicken, wenn es optional ist?
Wenn du etwas zu sagen hast, das der Lebenslauf nicht zeigt, ja: einen Wechselgrund, einen Bezug zum Unternehmen oder einen Beleg für die wichtigste Anforderung. Ein allgemeines Anschreiben ohne solchen Inhalt bringt dir wenig.
Wie lang sollte ein Anschreiben sein?
Kürzer als eine Seite. Die Gliederung der Bundesagentur für Arbeit kommt mit Einstieg, Hauptteil und Schluss auf rund 15 Zeilen Fließtext.
Darf ich das Anschreiben mit KI schreiben?
Erlaubt ist es. Die Angaben müssen aber stimmen, und ein Text, den jeder so einreichen könnte, sagt wenig über dich. Schreib die Fakten selbst und nutze KI zum Kürzen und Glätten.
Gehört die Gehaltsvorstellung ins Anschreiben?
Wenn die Anzeige danach fragt und das Formular kein eigenes Feld hat, ja, als Jahresbrutto gegen Ende des Anschreibens.
Quellen
Alle Quellen abgerufen am 10.10.2026.
- Bundesagentur für Arbeit, meinBERUF: „Das perfekte Anschreiben erstellen“. https://www.arbeitsagentur.de/bildung/bewerbung/anschreiben (Behörde, richtet sich vor allem an junge Menschen und Ausbildungsbewerbungen)
- ZfK: Bericht zur softgarden-Studie „Candidate Journey 2023“, 09.06.2023. https://www.zfk.de/karriere/neue-softgarden-studie-die-ki-erobert-das-bewerbungsverfahren (Anbieter von Recruiting-Software, Befragung von Bewerbenden, Methodik nur grob beschrieben)
- Haufe: „Jede fünfte Bewerbung enthält KI“, 24.10.2023, zur softgarden-Umfrage vom September 2023. https://www.haufe.de/personal/hr-management/immer-mehr-bewerbungen-werden-mithilfe-von-ki-erstellt_80_608014.html (Fachmedium über eine Anbieterumfrage)
- t3n: „Ein Drittel sucht das Weite, wenn ein Anschreiben verlangt wird“, 02.07.2023, zum Whitepaper „Stellenanzeigen 2023“ der Königsteiner Gruppe. https://t3n.de/news/bewerbung-anschreiben-bewerber-springen-ab-studie-1561763/ (Personalmarketing-Agentur mit Eigeninteresse)
- Tuck School of Business, Dartmouth: „What Happens to Hiring When AI Writes Job Applications?“, 05.01.2026, zum Arbeitspapier „Making Talk Cheap“ von Anaïs Galdin und Jesse Silbert. https://tuck.dartmouth.edu/news/articles/what-happens-to-hiring-when-ai-writes-job-applications (Hochschule; Arbeitspapier, nicht begutachtet, Freelancer-Plattform)
- IAB-Forum, Alexander Kubis: „IAB-Stellenerhebung 2/2026“, 03.09.2026. https://iab-forum.de/iab-stellenerhebung-2-2026-fast-drei-von-vier-bewerbungen-sind-aus-betrieblicher-sicht-ungeeignet/ (Forschungsinstitut, repräsentative Betriebsbefragung)
Dieser Artikel ist mit Unterstützung einer KI recherchiert und geschrieben. Es ist ein Ratgeber des Anbieters dieses Werkzeugs. Verantwortlich für den Inhalt nach § 18 Abs. 2 MStV ist die im Impressum genannte Person.